Der Vorteil des 12. Manns
Warum wird die eigentlich nicht als Favorit gehandelte deutsche Handball Mannschaft Weltmeister und die Fußballer fast zum lebendigen Sommermärchen - richtig dank des Heimvorteils. Die Macht des eigenen Stadions treibt Einzelsportler zu Höchstleistungen und lässt auf dem Papier unterlegene Mannschaften wahre Wunder vollbringen. So richtig erklären, lässt sich die Statistik allerdings nicht, mit der belegt werden kann, dass Mannschaften die Zuhause spielen einen Vorteil haben. Es sind sicherlich viele Faktoren in der Gesamtheit, mit der die Heimmannschaft stark gemacht wird. Dazu zählen die bessere Kenntnis des Stadions, der fehlende Reisestreß, die gewohnten Luftverhältnisse und die Tücken des Rasens genauso, wie der "zwölfte Mann" - die Fans.
Einer alten Fußballer Weisheit folgen, gewinnt der die Meisterschaft der zuhause immer gewinnt und auswärts unentschieden spielt. Diese goldene Regel ist allerdings nicht erst seit der Umstellung auf die Drei-Punkte Reglung überholt. Vielmehr schmilzt der Vorteils Heimstadion immer mehr dahin, wie Butter in der Sonne. Während Ende der Siebziger Jahre noch mehr als 60 Prozent aller Heimspiele gewonnen wurden, nähern wir uns inzwischen bedrohlich der 40 Prozent Marke. Bereits fast ein Drittel aller Bundesliga Spiele werden inzwischen von der Auswärtsmannschaft gewonnen. Ein Blick auf unsere Statistik verdeutlicht diese Entwicklung. Der ehemals sichere Tipp auf die "1" oder "0" beim Sportwetten, ist längst keine sichere Nummer mehr.
Woran liegt diese Trendwende bei den Bundesligisten. Unserer Meinung nach werden die heutigen Profis mental viel besser ausgebildet als in den Sechziger Jahren. Profifußballer wissen mit Haßrufen und Pfeifkonzerten umzugehen, blenden alles um den Platz herum aus. Dazu kommt eine immer stärkere Gleichheit der deutschen Stadien. Rollrasen der überall gleich ist und Abmaße die sich nahezu auf den Zentimeter ähneln. Eine Studie des amerikanischen Statistikers Pollard belegt außerdem, dass besonders in den Anfangsjahren einer Profiliga vieles zu Gunsten der Heimmannschaft ausfällt. Das kann auch bei großen Turnierwettbewerben beobachtet werden, quasi im Zeitraffer. Der Gastgeber spielt überragend, scheitert dann aber im Halbfinale oder Viertelfinale.
Eines ist jedoch statistisch belegt - der Schiedsrichter neigt oft dazu der Heimmannschaft weniger Karten zu zeigen und dafür öfter für diese auf den Punkt zu zeigen. Eine Statistik belegt, dass häufiger die Mannschaft die zuhause spielt einen Elfmeter zugesprochen bekommt. Der psychologische Druck überträgt sich eben nicht nur auf die Spieler.


